FotokunstConnectografie ► Die Idee

Connectografie ist ein Kunstwort aus dem englischen "to connect" (verbinden) und dem deutschen Wort "Fotografie". Mit diesem Wort bezeichne ich eine Kunstform der Fotografie, die ich vor Jahren "aus der Taufe gehoben" und seit dem immer weiter entwickelt habe.

Kein zerstückeltes Foto

Im Grundsatz handelt es sich um eine Methode, bei der sich ein Gesamtbild aus vielen kleinen Fotografien zusammensetzt. Für eine Connectografie fertige ich oft neunzig oder mehr Fotos an. Diese Einzelbilder werden nach dem Entwickeln und Printen bzw. Ausbelichten auf ein Trägermaterial montiert, so dass sich das ursprüngliche Motiv wieder zusammensetzt. Die Connectografie ist also kein zerstückeltes und wieder zusammengesetztes Foto (...dafür wird sie auf den ersten Blick oft gehalten).
Im Ansatz ähneln manche Connectografien sphärischen Panoramen - im Gegensatz zu diesen ist das fertige Werk jedoch kein einzelnes Bild, das - von Winkelfehlern befreit - eine "informative Rundumsicht" bietet. Vielmehr treten durch das Verschwenken der Kamera gewollt Überlagerungen im Motiv auf, die sich beim montierten Bild als räumliche Verzeichnungen niederschlagen. Diese Verzeichnungen sind motivabhängig, mal stärker mal schwächer ausgeprägt und bieten eine der vielen künstlerisch-interpretativen Grundlagen der Connectografien.


Connectografieren: Aufnahme von N = nx · ny Einzelbildern


Connectografie "Hound Tor II" (GB / Devon / Dartmoor Nationalpark - 2011)

Nicht zeitlos

Darüber hinaus gibt es weitere nachdenkenswerte Aspekt beim Schaffen und Betrachten von Connectografien. So hält z.B. die Dimension "Zeit" Einzug in die Fotografien: Weil das Abfotografieren des gesamten Motivs oft mehr als eine Stunde dauert, schlagen sich Veränderungen wie Licht und Schatten aber auch Bewegungen z.B. von abgebildeten Menschen im späteren Gesamtbild nieder.

Die menschliche Seh-Physiologie

Ein weiterer, interessanter Aspekt der Connectografie besteht darin, dass sie die menschliche Seh-Physiologie nachempfindet und widerspiegelt:
Der Mensch sieht seine Umgebung nicht etwa als ganzheitliches Szenario in einem einzigen Bild. Dieser Eindruck wird zwar vom Gehirn erzeugt um eine visuelle Orientierung im Raum zu ermöglichen - tatsächlich aber setzt das Gehirn, für den Menschen unbemerkt, das Gesamtbild aus vielen einzelnen Bildeindrücken zusammen die nur wenige Sekundenbruchteile bestehen und dann wieder "gelöscht" werden.
Diesem Phänomen kann man auf die Spur kommen, indem man sich mit einem geöffneten und einem geschlossenen Auge umschaut. Wenn man dabei einen Finger leicht auf das Augenlid des geschlossenen Auges legt, wird man feststellen, dass das Auge nicht etwa in fließender Bewegung die Umgebung als Gesamtbild erfasst. Vielmehr spürt man, wie es von einem Segment zum anderen springend, viele kleine "Einzelaufnahmen" der Umgebung macht. Diese werden dann vom Gehirn zu dem Gesamtbild zusammengesetzt, dass wir glauben zu sehen - genau so, wie es im übertragenen Sinne auch die Connectografie tut.

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